Jürgen Ertelt konstatiert kurz, welche Bedeutung das Internet mittlerweile für einen großen Teil der Bevölkerung hat. Die Menschen können sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen. Sie wollen beteiligt werden. Was passieren kann, zeigt er an misslungenen Beteiligungsprojekten auf:
Google Street View hat sich in die kritische Diskussion gebracht, indem auf Beteiligungsmöglichkeiten verzichtet wurde. Der Chef von WeTab lobte sein eigenes Produkt bei amazon und flog damit auf. Stuttgart 21 als misslungenes Partizipationsprojekt, welches durch Twitter-Gewitter(und dadurch ausgelöste Massendemos) gestoppt wird. Diskussion um den Jugendmedienschutzstaatsvertrag: Von der Expertenrunde in die Blogs und Twitter, dort vervielfacht, und nach wenigen Tagen ziehen die NRW-Grünen die Notbremse und beschließen, das Thema zur Diskussion zu stellen.
Es gibt Gegenmaßnahmen: Astroturfing- das Unterwandern von Social Media durch PR Agenturen im Auftrag von Institutionen, die die Bedeutung der social networks richtig einschätzen. Beteiligung ist möglicher und nötiger denn je. Ein Allein-Herrschen wird nicht nur in Stuttgart schwierig.
Die Forderung lautet: Kommunikation statt Schlagzeilen, Diskussionen fördern und ernst nehmen, statt versuchter Vertuschung oder Manipulation. Diese Forderung geht an alle, die Macht haben, die Entscheidungen mit Auswirkung auf andere treffen. Die Institutionen stehen unter Druck, sich nach innen und nach außen zu öffnen. Dazu müssen Instrumente gefunden werden, wie man komplexe Zusammenhänge deutlich und damit diskutierbar macht.
Letztlich ist alles eine Altersfrage: die Piraten sind im Schnitt 29, die Linke über 60 Jahre alt. Die Jungen können Internet. Die Alten sterben aus. Wer das nicht in Ruhe abwarten möchte, weil er vielleicht auch schon 40+ ist, muss den Weg durch die Institutionen antreten: Das ist unter anderem eine Frage des Mutes.
Als Person mit Fachkenntnis die eigene Meinung kundtun in den Diskussionen: eventuell findet sich die Institution irgendwann damit ab, jemanden mit Fachkenntnissen in den eigenen Reihen zu haben. Kontrollverlust wird umgedeutet in Kontrollgewinn: man überlässt die Diskussion nicht der Außenwelt, sondern diskutiert mit.
Ein Fass aufmachen hat Folgen: Das Fass ist offen. Dann muss man ständig reagieren, doch dafür gibt es noch keine Konzepte.
Erwähnenswert sind auch positive Beispiele: Dialog Internet des Bundesministeriums für Familie und so, Green Action von Greenpeace. So kann Beteiligung im Netz funktionieren.
Was also bleibt?
- Es ist nicht schlimm, den Überblick zu verlieren. Einblick reicht.
- Man muss ein Smartphone haben.
- Wandern kann auch schön sein.
- Der ständige Datenfluss von der Tagung ins Netz macht unsicher.
- Zombies sind zeitlos und damit die perfekten Protagonisten für Slow-Media.
- Auf den MaC*Days sind nur normale Freaks, da kann man sich zuhause fühlen.
- Wir sind nicht allein auf unserem Weg durch die Institutionen.
- Das gefühlte Alter zählt.
- Wir treffen uns auf jeden Fall nächstes Jahr wieder: auf den MaC*Days 2011.
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