Es ist abends, kurz vor 19 Uhr. Die diversen "BarCamps in motion" sind zurück. Vielleicht muss man das kurz mal erklären: Wir waren wandern. Und zwar in einer Gegend, wo das als normal gilt. Nicht normal waren die Themen der Wanderungen: Zombieforschung, Schiffeversenken und allgemeiner Werteverfall. Die Schiffe wurden auch nicht auf herkömmliche Weise versenkt (via Torpedo, in der Badewanne oder per Kästchenzettel), sondern per QR-Code. Das ist gaaaanz einfach: Man braucht ein ordentliches Smartphone, eine Internetflatrate, einen Code-Scanner (empfohlene IPhone-App: Optiscan) und schon darf man dann doch Kästchen ankreuzen. Außerdem wurde so nebenbei mal eben ein Geocache gehoben, aber das ist in Josefstal ja schon ein alter Hut.
Hier ein QR-Code (von "Quick Response") zum Selber-Ausprobieren.
Auf jeden Fall viele neue Erfahrungen: Wie schwierig das ist, während des Gehens noch zu twittern! Offenbar belegt das dieselben Hirn-Areale. Oder nutzt dieselben Sinnesorgane (das erscheint mir wahrscheinlicher). Und der Umgang mit der Dritte-Welt-Technik (gelbe große GPS-Geräte vs. Iphone 4), der zu kurzfristiger Orientierungslosigkeit führte. Die Begegnung mit der örtlichen Fauna (potentielle Killer-Kühe!) und die Reaktion der Einheimischen ("Jetzt kommen sie zum Computerspielen schon zu uns in den Wald!")
Die Werte-Gruppe, die unter dem Hash-Tag #gehtsnoch unterwegs war, hat eifrig diskutiert, aber Ergebnisse noch nicht so richtig präsentationsreif. Hier erste Eindrücke.
Aber die Zombieforscher! Haben glatt eine wissenschaftliche Dokumentation parat: "Proceedings in Zombology" Hier eine kurze Zusammenfassung: Zunächst wird der gegenwärtige Stand der jeweiligen Forschung in den Fachgebieten Zombies und Medienpädagogik zusammen getragen. Dies ergibt den zweifelsfreien Nachweis, dass es sowohl Zombies als auch Medienpädagogik wirklich gibt. Das mag überraschen. Ein Vergleich der Forschungsgebiete lässt ahnen, dass Zombies und Medienpädagogik sozusagen Gegenpole sind. Es gibt eigentlich keine gemeinsame Ebene. (Auch wenn der zu früh geweckte Medienpädagoge, der die Nacht über Computerspiele auf ihren pädagogischen Nutzen hin überprüft hat, in jedem Spiegel einen Zombie sieht.) Doch was im Augenblick noch unvorstellbar scheint, wird in Zukunft vielleicht zur Selbstverständlichkeit. Erste Schritte sind getan: Augmented Reality zeigt die Dinge, wie sie wirklich sind. Mit der App Spectrek ist es bereits jetzt möglich, die Geister in der unmittelbaren Umgebung zu sehen (und auch zu jagen). Eine Zombie-App ist in Vorbereitung.
Die Mindmap zur "mobile learning" -Aktion mit weiterführenden Links und ersten Eindrücken: http://www.mindmeister.com/de/maps/show_public/64556403?title=mobiles-lernen-und-spielen-wanderbarcamp-mac-days-2010
Kommentiert von: Daniel Seitz | 08. Oktober 10 um 10:14 Uhr
Überrascht habe ich festgestellt, dass Zombies, zwar en passant aber immerhin, in Josefstal bereits einmal Thema waren, 1997 in einem Vortrag von Carl-Ludwig Reichert (tja, das Internet vergisst halt nicht!):
http://www.josefstal.de/sozial/texte/endzeitstimmung.htm
Im Fazit wird sogar explizit auf Verbindungen zwischen Zombies, Subversion, Endzeitfantasien, Religion und Jugendkultur hingewiesen - Z wie Zorro, Zombies und Zensur. Schöner Titel für irgendeine Veranstaltung übrigens, vielleicht für die nächsten MaCdays ... ;-)
Kommentiert von: Christoph Kaindel | 15. Oktober 10 um 14:39 Uhr
Eine interessante Veranstaltung! Und noch ein kleiner Hinweis auf www.kollegiale-beratung.net, falls die PädagogInnen mal den Austausch suchen. Die seite wird übrigens von lauter Alten gemacht, denen das einfach auch Spaß macht.
Kommentiert von: Gerhard Spangler | 29. Juni 11 um 13:42 Uhr