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01. Oktober 09

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Folgende Weblogs beziehen sich auf Ein Mann, ein Name:

Kommentare

Jean-Pol Martin

Ja, Spannagel! Genauso ist es! yuhuuu!

Bernhard Eckmann

@christian spannagel
"Und zur Neuronenmetapher: Sie genau beabsichtigt, Personen aus ihrer kontextuell bedingten Gebundenheit herauszuführen. Wem nützt denn diese Gebundenheit etwas?"
Also doch eine Heilslehre? Deckt sich überhaupt nicht mit meinem Menschenbild!

Lisarosa

Die Metapher beabsichtigt
Die Metapher führt
Die Metapher führt Personen
Die Metapher führt Personen aus ihrer Kontextgebundenheit ...

Das alles, lieber Christian, ist einfach unglaublich unvorstellbar, wenn man es denn ernst nehmen würde. Du nimmst mir's hoffentlich nicht übel, wenn ich hier auch mal sage: think before you post.
Aber da Du ja gleichzeitig twitterst, dass Du die Diskussion hier "spaßig findest", halte ich Dir mal zugute, dass Du nur Spaß gemacht hast. ;-)

Maik Riecken

"Das heißt, ich will alles ausprobieren und schauen, ob es mir und meinen persönlichen Netzwerken etwas nützt (zum Beispiel inhaltlich weiterbringt oder vielleicht auch einfach nur Spaß macht)."

Liegt die Betonung auf "ich", "mir" und "Spaß" (1) oder liegt sie auf "ausprobieren", "weiterbringt" und "nützt" (2)? Diese beiden Lesarten sind ja zunächst konstruierbar.

Bei der Lesart 1 sind mir das "du", "dich" und "Ernsthaftigkeit" zu weit weg. Mit Lesart 2 kann ich mich teilweise anfreunden.

Ich vermute aber, dass ich wieder Haare spalte und es um beides geht. Bei Menschen, die dieses Medium nicht kennen, habe ich ein Vermittlungsproblem in der Rechtfertigung - das könnte kommunikativ schwierig werden. Und vermittelt werden müssen alle neuen Kommunikationsformen schon... Dringend.

Den Ansatz mit der jeweiligen Abhängigkeit von der Diskussionsphase von Robert finde ich gerade für meinen Unterricht gut.

Christian Spannagel

@Bernhard Die Vorstellung, die Menschen im Publikum seien nackt, dient auch dazu, Vortragende aus ihrem Lampenfieber herauszuhelfen. Als Heilslehre würde ich das aber nicht bezeichnen wollen. Das verstehe bitte als Analogie zur Neuronenmetapher.

@Lisa Ich habe vorher nachgedacht, und ich habe es genau so gemeint. Und mir macht die Diskussion hier tatsächlich Spaß, klar. Sonst würde ich mich nicht beteiligen.

@Maik Die Betonung lag auf beiden Aspekten. Ich meine durchaus, dass mir Dinge Spaß machen sollten (siehe Wikipedia: "Spaß machen = Freude bereiten"), und Spaß ist dabei nicht das Gegenteil von Ernsthaftigkeit. Genauso sehe ich das auch in dieser Diskussion (@lisa).

Wenn ihr keinen Spaß an dieser Diskussion habt: Was ist dann eure Motivation, euch zu beteiligen?

mons7

Will ich mal wieder mutig sein und auch mein unbedeutendes "Scherflein" zur heißen Diskussion beitragen:

1. Allein Twitter ist es gedankt, dass ich überhaupt von dieser Kontroverse hier weiss.

2. Selbst auf die Gefahr hin, in diesem Forum "virtuelle gesteinigt" zu werden, beziehe ich hiermit (folgende) Position: Ich bin von LdL in Bezug auf den theoretischen Hintergrund, aber auch in Bezug auf die praktische Umsetzbarkeit überzeugt.

3. Vielleicht mag der Begriff "Spass" beim einen oder anderen (aus welchen Gründen auch immer) Widerstände hervorrufen, was jedoch m.E. keinesfalls die gemeinte Aussage dahinter mindern sollte. Woher sollte Engagement, Leidenschaft und der Wille, zu was auch immer etwas beizutragen ansonsten herkommen? (Ernst gemeinte Frage). ... oh, ich sehe gerade, die Frage wurde schon einmal gestellt... sei's drum...

Einen schönen Abend noch wünscht

mons7/ eLEx

Christian Spannagel

@mons7 "Vielleicht mag der Begriff "Spass" beim einen oder anderen (aus welchen Gründen auch immer) Widerstände hervorrufen"

Ja, und genau das wundert mich. Wirklich.

Maik Riecken

Ich habe einen für mich wichtigen Kern gefunden - ich nehme einmal mehrere Prämissen an:

a) Es gibt neue Medien
b) Es gibt Menschen die sie nutzen und noch weit mehr Menschen, die sie nicht nutzen
c) Menschen, die sie nutzen, möchten Menschen, die sie nicht nutzen, davon überzeugen, sie zu nutzen
d) Neue Medien bringen einen Nutzen, der mit Spaß konnotiert sein kann (fragt sich meist bloß, wie lange dieser Spaß anhält, wenn es Alternativen zu z.B. Twitter geben sollte)

Die Frage für mich ist:
Kann ich das Ziel erreichen, mehr Menschen für neue Medien zu begeistern, wenn ich sie ausschließlich aus der Ich-Perspektive in allen möglichen Situationen anwende, wo sie - zumindest in vielen Gruppen - nicht üblich sind? Leiste ich damit einen wertvollen Beitrag für die Akzeptanz neuer Medien?

Ich kenne mich nur im schulischen Bereich mit dieser Frage wirklich aus und kann sagen, dass ich auf diese Weise meinem Ziel eher Schaden als Nutzen bringe. Nach der Diskussion spricht mich dann kaum einer darauf an, was ich da eigentlich gemacht habe, sondern er/sie geht sauer seines Weges.

Ich überziehe jetzt mal drastisch:
Ich kann dann sagen: "Ach, was für'n Depp mit völlig überholten Moralvorstellungen, der soll das erstmal kennen lernen und dabei begreifen, was für einen Wertschätzung ich ihm eigentlich entgegenbringe."

Dumm nur, dass das gerade ihm dann nicht auffällt, sondern lediglich der Stereotyp "unhöflicher, arroganter Medienjunkie" hängenbleibt.

Ich rede hier nicht von Kreisen - wo die Nutzung neuer Medien eh üblich ist. Es gibt in meinen Augen weitaus mehr Kreise, wo ein solches Verhalten unhöflich unkommentiert ertragen wird - mit den beschriebenen Konsequenzen.

Christian Spannagel

@Maik Was sind die Konsequenzen? Soll ich deshalb meine persönliche Art und Weise, aktiv Informationen zu verarbeiten, sein lassen? Dann bleibe ich doch lieber authentisch und mache das, was ich für richtig halte. Überzeugen will ich eigentlich auch gar nicht so sehr. "Ich selbst" bleiben finde ich viel wichtiger.

Fontanefan

@cspannagel Jemals was von Spaßgesellschaft gehört und von Pflichtbewusstsein?
Dies nur zu deinem scheinbaren (!) Unverständnis.
@Maik Natürlich gewinnt cspannagel auf seine Weise viele Leute, die leicht entflammbar sind und dafür sorgen, dass das Feuer weiter um sich greift. Extrem wichtig für Verbreitung!

Dass sich Humus bildet, auf dem etwas wächst, so wie aus dem Medium Buch etwas gewachsen ist, was das Medium Fernsehen noch nicht geschafft hat. Das fordert freilich, dass kein burn-out von Ideen stattfindet.
Dieser Gedanke dürfte dahinter stehen, wenn Leute so viel gegen das Wort Spaß haben und statt dessen Freude eingesetzt sehen wollen.
Bisher ist die Ode auf den Spaß noch nicht geschrieben, während "Freude schöner Götterfunke" als eine Art Welthymne gebraucht wird.
Dabei sind die beiden Begriffe nicht nur durch die Ernsthaftigkeit unterschieden. Freudig ist etwas anderes als spaßig.

Jean-Pol Martin

wie bei mir freude/spaß/kicks entstehen: ich begebe mich in felder (wenn diese felder nicht existieren, schaffe ich mir selbst welche) die mir komplexe informative stimuli permanent liefern. das zwingt mich zur kontinuierlichen informationsverarbeitung und die natur hat dafür gesorgt, dass informationsverarbeitung positiv im hirn dekodiert wird. habe ich keine uni und keine schule mehr, dann renne ich in ingolstadt herum und suche nach projekten, am liebsten ganz viele. und jetzt habe ich a) senioren und b) kinder. die bringe ich zusammen und schon prassen die informativen stimuli auf mich. diese informativen stimuli zwingen mich zur konzeptuablisierung (problemlösung) und so schwebe ich auf einer wolke des glücks. So einfach ist das.
http://jeanpol.wordpress.com/2009/10/16/schritt-fur-schritt/

Lisa Rosa

Ich habe einfach großen Spaß an genauer Sprache und genauem Denken.

Maik Riecken

@christian
"Was sind die Konsequenzen? Soll ich deshalb meine persönliche Art und Weise, aktiv Informationen zu verarbeiten, sein lassen? Dann bleibe ich doch lieber authentisch und mache das, was ich für richtig halte."

Das wäre für mich eine radikale Konsequenz im Sinne eines Schwarz-/Weißdenkens. Grautöne machen *mir* Spaß, weil sie Leben in einem Spannungsfeld bedeuten und ich so weit weniger oft in die Versuchung komme zu glauben, die Weisheit gepachtet zu haben - natürlich gibt es dabei wenig Sicherheit.
Kontextbezogenes Handeln halte ich für wichtig. Das bedeutet nicht, dass du dich verbiegen musst, nur ggf. ein wenig geduldig sein - was zu dem Geist der neuen Medien natürlich nicht passt.
Die Leute, die ohnehin empfänglich für Neues sind, die müssen wir nicht überzeugen, denen müssen wir nur zeigen.
Mit den anderen will ich umgehen - ignorieren lassen sie sich nicht - zumindest nicht im schulischen Kontext in der "Vollmühle". Da helfen nach meiner Erfahrung homöopathische Dosen oft mehr.
Manche sagen, dass meine Taktik neue Medien in der Schule zu etablieren, manipulativ sei. Macht aber Spaß. Die Leute kommen mittlerweile zu mir - ohne Mission meinerseits. Dann bekommen sie die volle Unterstützung und werden zu verlässlichen Multiplikatoren. Das hat aber Jahre(!) gedauert.

Jean-Pol Martin

Spannagel missioniert nicht, er perturbiert:
http://twurl.nl/2yurr7

www.facebook.com/profile.php?id=1844726623

Zu #LdL. Wenn die Erlebnispädagogik der Jugend- und Sozialarbeit endlich mal in der Schule im Unterricht ankommt, spricht man gleich von neuer Pädagogik. Und das, nachdem Schule jahrzehntelang auf diesem Auge blind war und die Jugend- und Sozialarbeit ihr ständig die pädagogische Hand reichte. Alter Wein in neuen Schläuchen oder doch neuer Wein in alten Schläuchen?
Bedürfnispyramiden haben die Erzieher schon seit 30 Jahren im Lehrplan und wo ist denn der große Unterschied in der Pädagogik?
Ob die Schüler ihre Grenz- und Erlebnisstrukturen als "Lehrende" vor der Klasse erfahren und dabei lernen sich Wissen als Erfahrung anzueignen, oder ob Jugendliche im Team herausbekommen wie ein Zelt aufgebaut wird und es der restlichen Gruppe beibringen, die Methoden der Zielfindung, Teamarbeit, Ditaktik und Reflexion sind doch sehr verwand bzw. die Gleichen. Hier finden doch nur endlich die Spielregeln der Gruppendynamik und der Gruppenpädagogik Einzug in die Schule. Die Schule kommt ein wenig der modernen Pädagogik nahe. Die Welt ein wenig besser zu machen ist für Jugendliche auch keine neue Idee. Und mit Metaphern arbeitet die kirchliche Jugendarbeit seit ca. 2000 Jahren.
Die Neuen Medien unterstützen vieles und verstärken auch so manche Prozesse, die Frage nach der Verantwortung des Pädagogen bleibt. Was wenn Twitter etc. bei Jugendlichen irgendwann das große emotionale Loch der Erkenntnis produziert das man Buddies, Friends und Follower nun mal nicht mit Freunden verwechseln sollte und das Einwohnermeldeämter und andere Mitmenschen einen Umzug ins Internet nicht immer nachvollziehen können. Dann hört der Fun-Faktor schnell auf..

Christian Spannagel

@fontanefan "Jemals was von Spaßgesellschaft gehört und von Pflichtbewusstsein?" Danke für diese rhetorische Frage. Zur Erklärung, und ich hole jetzt ein bisschen aus, weil ich richtig verstanden werden will: Ich habe ein recht großes Pflichtbewusstsein. Ich bilde Lehrer aus und halte das für eine große Verantwortung, nicht nur den zukünftigen Lehrern gegenüber, sondern auch deren Schülern. Ein wesentlicher Punkt dabei ist: Vorbild sein. Wie mache ich das? In dem ich zeige, dass ich Spaß an meinem Beruf habe, dass ich Spaß habe am Lernen und am Lehren, und dass ich zeige, dass man tatsächlich etwas verändern kann, wenn man sich traut. Ich möchte meinen Studierenden zeigen, dass man, wenn man mutig ist und seine Ideen verwirklicht, großen Spaß an dem hat, was man tut, gerade weil man sich als kompetent erlebt und merkt, dass auch andere Spaß daran haben. Motivation steckt durchaus an. Miesepeter laufen im Bildungsbereich wirklich genug durch die Gegend. Wir brauchen Leute, die gegen das Pisa- und Bolognagejammere vorgehen und zeigen, dass jeder einzelne seine Umgebung so gestalten kann, dass alle Beteiligten Freude am Lernen und Lehren habe. Ich will eine Gesellschaft, die aus Pflichtbewusstsein heraus Spaß hat.

Und nein, dadurch ignoriere ich nicht die ernsten Seiten des Lebens. Es gibt aber genug Situationen, die wir zu ernst nehmen.

"Natürlich gewinnt cspannagel auf seine Weise viele Leute, die leicht entflammbar sind und dafür sorgen, dass das Feuer weiter um sich greift." Lass mich mal länger darüber nachdenken... sind meine Studierenden beispielsweise leicht entflammbar? Ich denke nicht, dass sie mit diesem Adjektiv einverstanden sind. Und ich bin es auch nicht. Ich jedenfalls habe ein ganz anderes Bild von meinen Studierenden. Und auch von allen anderen Menschen, mit denen ich zu tun habe. Was für ein Menschenbild hast du? "leicht entflammbar" zumindest empfinde ich für meine Studierenden als eine hundertprozentige Beleidigung.

"Dass sich Humus bildet, auf dem etwas wächst, so wie aus dem Medium Buch etwas gewachsen ist, was das Medium Fernsehen noch nicht geschafft hat. Das fordert freilich, dass kein burn-out von Ideen stattfindet.
Dieser Gedanke dürfte dahinter stehen, wenn Leute so viel gegen das Wort Spaß haben und statt dessen Freude eingesetzt sehen wollen." Ich verstehe kein Wort. Vielleicht bin ich schwer von Ka-Pe; ich habe aber eher das Gefühl, dass du es auf eine schwierige Verständlichkeit geradezu anlegst.

@lisa "Ich habe einfach großen Spaß an genauer Sprache und genauem Denken." Und genau deswegen haben wir beide hier auch Spaß. Was um alles in der Welt kann man dagegen haben?

@Maik Du gehst immer noch davon aus, dass ich Leute von twitter überzeugen will.

Christian Spannagel

Wenn ich länger drüber nachdenke, ist es eigentlich eher witzig als ärgerlich. Es wird ja den Hochschulmenschen immer vorgeworfen, dass sie sich über Schule äußern, aber keine Ahnung drüber haben. Wenn man den Spieß mal rumdreht: Wer in einem Raum mit 200 Studierenden schon mal eine Mathematikvorlesung gehalten hat, der weiß, wie leicht entflammbar die Studierenden sind. :-)

Christian Spannagel

Ok, vielleicht noch zur Erklärung (weil das wirklich u.U. jetzt nicht nachzuvollziehen ist): Ich habe mittels der Neuronenmetapher eine Mathe-Vorlesung komplett umgekrempelt ("Aktives Plenum") - ansonsten weiß man natürlich nicht, was mein letzter Kommentar in der Diskussion zu suchen hat...

Lisa Rosa

@ cspannagel
Mal eine neue Perturbation eingebracht: Die Warner vor der Überstrapazierung/Generalisierung der Neuronenmetapher durch die Erfinder (is ja gut, in bestimmten Momenten scheint sie für bestimmte Individuen nützlich zu sein) versuchen ja nur eines: Zu verhindern, dass sie hergenommen wird, um jeden Rülpser aufzuwerten, und dabei vergessen wird, dass es tatsächlich auch Momente der Langsamkeit und des wirklich genauen Studierens, Denken, Sprechens geben muss. (Und natürlich gerade, wenn man auf der Theorize-Ebene ist und prüft, was die Metapher hergibt.)

Etwas "spaßig" finden: Ich habe darunter verstanden, dass Du Dich eigentlich lustig machst, die Statements, die gegen Deine argumentieren, ins Lächerliche ziehst, nicht ernst nimmst. Mag ein Mißverständnis sein. Glaube ich aber nicht so ganz. Eine Metapher, die etwas beabsichtigt, kommt mir auch komisch vor. Denn es könntest doch höchstens Du derjenige sein, der etwas beabsichtigt. Und dann kann man über Deine Absichten diskutieren. Und ein Mensch der die Leute aus ihrem Kontext herausreißen möchte, ist keine Perturbation, sondern kann als ein Interpenetrationsversuch (Nötigung) empfunden werden, der nicht zu Unrecht Abwehr hervorruft. Und wir diskutieren hier doch nur darüber, ob die Metapher die Reichweite kriegen soll, die Ihr ihr zuschreibt. Du aber gehst über die legitime autopoietische Abwehr des Nötigungserlebenisses nicht nur hinweg, sondern diskreditierst sie sogar als hintertupfig und spaßfeindlich. Darum habe ich einfach mal positiv gesagt, was mir Spaß macht - und damit natürlich, warum es mir wenig Spaß macht, auf eine Art zu diskutieren, wo es offenbar nicht wichtig ist, was da formuliert wird wie es formuliert wird. (Hauptsache Schnellschuß).

Wogegen sicher nicht nur ich etwas habe, ist, wenn die Neuronenmetapher sich ungut trifft und nicht mehr abgrenzbar ist zu:
"Die treffendsten Aussagen fließen vom Stammhirn direkt ins Sprachzentrum und werden nicht weiter vom Großhirn kontrolliert" Thilo Sarrazin
Da bräuchten wir doch eine Abgrenzung. Nicht? Vllt. mal was zum Thema: "Wann wie ein 'Neuron' verhalten? Wann nicht?" Wär gut, denn sonst müssten wir Neuronenverhalten mit Sarrazynismus gleichsetzen.

Christian Spannagel

@Lisa Beim Wort "spaßig" liegt tatsächlich ein Missverständnis vor. Mir macht diese Diskussion überwiegend Spaß, weil (!) ich die Argumente hier ernst nehme. Mir fällt es durchaus nicht leicht, selbst Argumente und Gegenargumente zu formulieren. Wenn mir aus meiner Sicht dann trotzdem ein Kommentar gelungen ist, dann bereitet mir das Spaß. Wenn mir durch den Austausch etwas klarer geworden ist, dann macht mir das Spaß. So ist es gemeint. Das bedeutet wirklich (!) in keinem Fall, dass ich mich lustig mache oder ähnliches. Ernsthafte Diskussionen machen mir Spaß. Klingt paradox, ist aber so.

Zu Momenten der Langsamkeit: Ich versuche das mal an einer sitzung des aktiven Plenums (Mathe-Vorlesung) zu verdeutlichen: Auch hier gibt es Phasen der Langsamkeit. Studierende arbeiten beispielsweise in Partnerarbeit an einem Problem. Anschließend gibt es eine Gruppendiskussion (Ganz nach Think-Pair-Share). In dieser Gruppendiskussion muss den Studierenden aber klar sein, dass sie Unklarheiten nicht zurückhalten sollen, weil gerade das diejenigen Kommentare sind, die alle weiterbringen. Insofern: Ich behaupte gar nicht die Allgemeingültigkeit der Neuronenmetapher. In bestimmten Diskussionen (z.B. problemlösende Gruppendiskussion) ist sie ein nützliches Modell.

Du hast natürlich recht: Ich beabsichtige etwas, wenn ich die Neuronenmetapher in einer Veranstaltung einführe (und nicht die Metapher selbst). Und in Mathevorlesungen beabsichtige ich damit, die Studierenden aus ihrer Stummheit herauszulocken. Das ist nämlich ein wirklich ernstzunehmendes Problem: Studierende stellen ihre Fragen nicht. Sie nennen ihre Unklarheiten nicht. Ich schaffe eine Atmosphäre, in der die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie das tun. Sie können natürlich trotzdem weiterhin ihre Probleme für sich behalten. Ich nötige sie also nicht. Ich biete nur eine Atmosphäre und ein Bild (Metapher), die ihnen gewisse Hemmungen nehmen sollen. Als Nötigung würde ich das aber in keinem Fall bezeichnen. Ich habe mich noch nie nötigend erlebt.

Eine anderer Bereich, in dem die Metapher nützlich ist, ist Twitter und generell Web-Kommunikation. Über diese beiden Bereiche rede ich, wenn ich die Metapher ins Feld führe: im Prinzip Gruppendiskussionen und Twitter. Du schreibst: "Und wir diskutieren hier doch nur darüber, ob die Metapher die Reichweite kriegen soll, die Ihr ihr zuschreibt." Welche schreiben wir ihr denn zu?


Lisa Rosa

Danke, Christian, ich bin sehr erleichtert. Jetzt kann ich Dich wieder ernst nehmen. Irgendwie war das zuvor problematisch. Egal jetzt.
"Ernsthafte Diskussionen machen mir Spaß. Klingt paradox, ist aber so."
Ich finde es überhaupt nicht paradox, es ist genau das, was ich auch meine. Wenn es nicht ernsthaft zugeht, wo Ernsthaftigkeit gebraucht wird, macht es keinen Spaß. Und wenn man sich nicht ernst genommen fühlt, sondern von oben herab ironisch behandelt, macht es auch keinen Spaß.
Zu Deinen inhaltlichen Erklärungen im letzten Kommentar: Ich bin ich mit allen d'accord und finde sie ausgezeichnet und verständlich formuliert.
Manchmal, nämlich genau da, wo du es definierst in Deinem obigen Kommentar, passt die Neuronenmetapher. Aber eben auch nur da! Was so irritierend ist, dass Ihr (Du und Jeanpol fast nur noch darüber sprecht. Über kaum etwas anderes. Da entsteht einfach per Quantität der Eindruck, der Modus "Neuron" wäre der Hauptmodus der menschlichen Tätigkeit für Euch. Und drum gruselt's einen dann. Hinzu kommt auch, dass - bei mir jedenfalls, der Eindruck entsteht, Ihr diskutiert (Du und jeanpol) nur über diese beiden Dinge: Neuronenmodus des Menschen und LdL. Das ist ein bißchen sehr zentriert. Andere diskutieren an vielen Stellen im Eduweb und beteiligen sich nicht nur dann, wenn es gerade ihr super special matter betrifft. Das finde ich netter irgendwie.

Jean-Pol Martin

@Lisa
Ich gehe systematisch vor: LdL wurde redundant eingespeist, dann Neuron, jetzt Perturbation, dann "aktives plenum auch in der politik", dann "kollektive wissenskonstruktion", dann definieren von problemräumen, dann neuronen mobilisieren um problemlösungen zu erarbeiten, usw.
LdL war also der erste baustein, dann kam neuron und das geht weiter, bis das ganze modul in allen phasen für alle nachvollziehbar wird. Und das ganze modul sieht so aus, dass wir alle neuronen mobilisieren, zum weltgehirn organisieren, probleme orten und kollektiv lösen wollen. ich sage "wir" aber ich weiß nicht, ob hier christian mir folgen will/kann. Und wenn alles sehr nach megalomanie klingt, so what? Man probiert einfach herum, wenn man forscher ist, oder?:-)))

Christian Spannagel

@Lisa Das ist eine Fehlwahrnehmung. Ich habe gerade mal meine Weblog-Artikel seit 1. Juli analysiert. Davon beziehen sich nur 7 mehr oder weniger auf Twitter/Neuronenmetapher/..., 18 davon haben gar nix damit zu tun. Ich beschäftige mich noch mit zahlreichen anderen Sachen (Eye-Tracking, Reduktion von Benutzungsoberflächen, Lernen mit Bildschirmvideos, Verbesserung von Mathematikübungen, Bildungsexpedition, usw. usw. usw.). Ich beteilige mich auch im Web an Diskussionen in aller Breite. Insofern muss es sich um eine Irritation in deiner Wahrnehmung handeln. ;-))

@Jeanpol Das "Weltgehirn" halte ich tatsächlich für übertrieben. Ich bin glücklich, wenn meine Studenten im Hörsaal sich offen und konstruktiv verhalten. Und da gebe ich ihnen gerne die Metapher an die Hand.

Lisa Rosa

@jeanpol: du hast ja offenbar eine ganze Strategie zur Welteroberung ;-)

@cspannagel: neinein, ich meinte nicht Deine Blogaktivitäten und was Du alles sonst noch machst (z.B. die hervorragende Bildungsexpedition.) Ich meinte Deine Diskussionen in den webspaces anderer Leute.

Maik Riecken

@jeanpol
Missverständnis - das Wort "Mission" habe ich in Zusammenhang mit meiner Person gebraucht. Ausgangspunkt des Diskussionsstranges war ja die Frage, ob man in einer Diskussion twittern sollte oder nicht bzw. in welcher Phase der Diskussion. Es kann m.E. auch der Perturbation unzuträglich sein - aber lassen wir das jetzt.

@christian
Wir sind uns im Ansatz sehr nahe. Das habe ich jetzt verstanden. Ich glaube, dass der Eindruck, der Lehrende habe Spaß oder Freude an dem was er tut, durch wenig aufgewogen werden kann. Da sind wir beieinander. Schwierig mag es für uns beide Gelegentlich sein, aus den inhaltlichen Vorgaben Spaß zu generieren. Da ist die Methodik in der Tat manchmal eine Insel der Freude.

@robert
Ich komme selbst aus der freien Jugendarbeit. Ich kann dein Kopfschütteln absolut nachvollziehen, hätte aber nur wenig Freude, wenn ich dieses offensichtliche Defizit jeden Tag reflektieren würde... In der Tat sind diese Ideen allesamt sehr, sehr alt.

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