Wer ist Jean-Pol Martin? Was denkt Jean-Pol Martin? Was sagt Jean-Pol Martin? Was tut Jean-Pol Martin?
Nachdem all diese Fragen beantwortet sind, setzen wir uns in einen Halbkreis und fühlen uns als Neuronen. Interessante Metaphern zum Umgang mit Informationen und Kommunikation. Provokante These: Wir alle sind Ressourcen. Seine Bedingungen für Internet-Projekte sind eine idealtypische Beschreibung. Im realen Leben tritt man nur zu oft nicht nur als Mensch, sondern in einer Funktion auf. Und die Funktion begrenzt eben auch das eigene Handeln. Vielleicht trau ich mich als Rentnerin dann auch, ungebremst loszuschießen im Internet. Bis dahin nutze ich die Freiheiten im Netz lieber mit Zweit- und Drittidentitäten.
Auf jeden Fall sehr viel Diskussionsstoff. Nach einigen Schreckminuten feuern die anwesenden Neuronen ihre Meinung ab, Widerstände formieren sich, Verständnis entsteht und Jean-Pol Martin erweist sich auch als Mensch, mit dem man sich ganz gut auseinandersetzen kann.
@lisarosa Meine Aktivitäten in den Webspaces anderer hab ich nicht im Überblick; aber ich beteilige mich definitiv auch an anderen Diskussionen. ;-)
Kommentiert von: Christian Spannagel | 17. Oktober 09 um 19:01 Uhr
@lisa
"weltverbesserung", nicht "welteroberung":-))
@Maik
"missionar": ok. ich habe reflexartig reagiert, weil ich selbst immer wieder mit diesem vorwurf konfrontiert wurde. daher mussten die leute, die mit mir arbeiteten, immer als erstes klarstellen, dass sie keine apostel seien und mich sehr kritisch und distanziert betrachteten.
Kommentiert von: Jean-Pol Martin | 17. Oktober 09 um 19:15 Uhr
Ausprobieren ist ja was Schönes, aber doch dann bitte mit Absprache vorher, so lange es gegen "geltende Regeln" (der Höflichkeit) verstößt. Und das ungeteilte Zuhören ohne Nebenkommunikation ist eben noch so eine Regel, die oft Sinn macht. Klar bedeutet das eventuell auch mal Selbstbeschränkung und Bedürfnisverschiebung, Dinge, die man von einem Erwachsenen jedoch erwarten kann. Auch vorher mal nachdenken, bevor man Tweets rausschießt, schadet selten. Wenn ich einen Vortrag halte, möchte ich Aufmerksamkeit, mich stören Nebenkommunikationen enorm, weil ich nicht weiß, warum und über was nebenher kommuniziert wird. Ich kenne auch das Problem mit der Aufmerksamkeitsspanne, die immer kürzer wird, je schneller man im Netz neue Inhalte anklicken kann. Wenn das dazu führt, dass ein einstündiger Vortrag nicht mehr ausgehalten werden kann (und von Studierenden höre ich solche Geschichten), dann ist das ein bedenklicher Weg. Wenn Twittern in Vorträgen ein Problem verursacht, dann ist das nicht allein ein Problem des Vortragenden oder der Offline-Zuhörer, egal "wie es gemeint" ist.
Kommentiert von: Gabi | 18. Oktober 09 um 01:14 Uhr
@Gabi
"Auch vorher mal nachdenken, bevor man Tweets rausschießt, schadet selten."
- Hier liegt ein missverständnis der neuron-gebote vor. Natürlich verlangen die gebote, dass vor dem abschießen nachgedacht wird. allerdings, wenn man nachgedacht hat, sollte man abschießen. viele tun das nicht, weil sie angst haben, sich aus welchem grund auch immer zu blamieren.
Siehe 3. neuron-gebot:
3. Da Neuronen keine Angst haben, Fehler zu machen und sich zu blamieren, feuern sie sehr schnell ab
http://www.adz-netzwerk.de/wiki/index.php/Benutzer:Jeanpol/Folie_3
Kommentiert von: Jean-Pol Martin | 18. Oktober 09 um 02:28 Uhr
Jean-Pol
"Da Neuronen keine Angst haben, Fehler zu machen und sich zu blamieren, feuern sie sehr schnell ab"
Ja, genau, schnell abfeuern, damit der Gedanke ganz frisch bei anderen Neuronen ankommt und nicht zu sehr verarbeitet ist. Ich weiß nicht, ob ich es richtig verstehe, aber ich denke, ein ganz frischer/schneller Impuls ermöglicht dann den Faden auf sehr vielen Ebenen/in verschiedene Richtungen weiter zu führen, und je weniger Beschränkungen desto besser:-) Ach je!
Ich habe Probleme es auf deutsch zu formulieren....
Kommentiert von: deutschkunterbund | 18. Oktober 09 um 06:57 Uhr
@deutschkunterbund
welche freude! du verstehst das prinzip ganz genau und hast dich perfekt auf deutsch ausgedrückt!
Kommentiert von: Jean-Pol Martin | 18. Oktober 09 um 07:39 Uhr
@ Jean-Pol
danke für nette Worte, eben habe ich an einen befreundeten Neuron geschrieben (einen ehemaligen Schüler, der jetzt Student ist), um Synapsen aufzufrischen:-)
Kommentiert von: deutschkunterbund | 18. Oktober 09 um 08:23 Uhr
zu "Neuronenmetapher"
Das ist ja hochkomisch: Zuerst ist die Neuronenmetapher keinesfalls eine zentrales Konstrukt der Lehre, dann dieses...
Müssen wir demnächst mit neuen "10 Geboten" rechnen?
Kommentiert von: Bernhard Eckmann | 18. Oktober 09 um 09:20 Uhr
@Bernhard
es sind nur 9 gebote, also etwas leichter zu merken als die gebote jehovas. und die gebote sind kein zentrales konstrukt meiner lehre, sondern nur handlungsempfehlungen, die von der lehre abgeleitet sind. ich freue mich, dass du auf meine metapher eingehst!:-)))
Kommentiert von: Jean-Pol Martin | 18. Oktober 09 um 09:35 Uhr
Der Verursacher haftet.
Die Metapher des feuernden Neurons hat einen endscheidenden Fehler in der Übertragung ins mediale Leben. Neuronen können sich gegenseitig nichts tun! Wir agieren aber alle in einem Umfeld gegenseitiger Abhängigkeiten und Verantwortungen. Den freien Raum zum Feuern gibt es so nicht. Das kann man sich als Vorstellung leisten, wenn die eigene Lebenswirklichkeit soweit abgesichert ist, dass finanzielle und kommunikative Unabhängigkeit besteht. Wir sind aber normalerweise alle eingebunden in unterschiedlichste Formen der Lebens- und auch Kommunikationsvereinbarungen. Deshalb braucht es auch geschlossene und öffentliche Räume im Netz und im Leben.
Die Vorstellung jeder Mensch feuert jede Idee und jeden Gedanken, kollidiert hier mit der Wirklichkeit. Da hilft es auch nicht dazu aufzufordern: „"Das dritte Neuron-Gebot: Du sollst keine Angst haben, dich zu blamieren.“ Das Ignorieren von Mechanismen in der beruflichen und realen Welt ist eine Aufforderung zum medialen Selbstmord. Sich zu blamieren bedeutet für so manchen, seine berufliche Reputation und somit seine berufliche Existenz zu riskieren.
Das gilt natürlich auch für Schüler und Studierende. Auch sie leben in einem Umfeld das deutliche Rückbezüge in ihr eigenes Leben besitzt. Manche von ihnen habe ja bereits ihre Schwierigkeiten mit diesem Rückbezug. (Stichwort Mobbing; Ausgrenzung; Erfolgsdruck; Existensängste etc.) Der Status eines Menschen in seinem Umfeld hängt auch wesentlich von seiner Kommunikation ab. Da hilft auch kein „Aussteigermodell“. Die Frage was ich anderen zumute, oder in ihrem Leben anrichte ist dabei noch gar nicht berücksichtigt
Nicht umsonst gibt es in der Pädagogik den Begriff des „geschützten Raumes“ und in der Demokratie die beiden Teile: „Versammlungsfreiheit“ und die „Privatsphäre“.
Für Neuronen gesprochen: „Denk mal darüber nach, was Du anrichtest und was für Konsequenzen es für wen hat!“ ansonsten ist das Ergebnis mit Oswald Bumke gesprochen:
„Es gibt Weltverbesserer aus Grundsatz, die keinen Funken Güte besitzen.“
Übrigens wird es immer unschärfer, worüber in diesem Kommentarfeld gesprochen wird. Über eine Unterrichtsmethode (LdL) oder doch über eine Ideologie bzw. Lebensmodell mit neuen Medien?
Kommentiert von: www.facebook.com/profile.php?id=1844726623 | 18. Oktober 09 um 09:53 Uhr
Herr Martin
keine Bange, ich schau mir das Treiben hier nur an und kann mir manchmal eine Bemerkung nicht verkneifen. Ich bitte drum, beim "Sie" zu bleiben, das paßt besser.
Danke
Kommentiert von: Bernhard Eckmann | 18. Oktober 09 um 09:54 Uhr
@Robert Kathmann
Danke! So seh ich das auch
Kommentiert von: Bernhard Eckmann | 18. Oktober 09 um 10:01 Uhr
„Es gibt Weltverbesserer aus Grundsatz, die keinen Funken Güte besitzen.“
- Da ist was dran. Ich muss darüber nachdenken.
"Übrigens wird es immer unschärfer, worüber in diesem Kommentarfeld gesprochen wird. Über eine Unterrichtsmethode (LdL) oder doch über eine Ideologie bzw. Lebensmodell mit neuen Medien?"
- Diese Bereiche sind eng ineinander verwoben. Sie lassen sich nicht trenne, weder in der darstellung, noch in der diskussion.
Kommentiert von: Jean-Pol Martin | 18. Oktober 09 um 10:09 Uhr
Moment mal!
Ich war bisher der Meinung in der Pädagogik wird sehr wohl zwischen Zielen und Methoden unterschieden. Das beide im Bezug zu einander stehen ist sicherlich klar, aber wäre es dann nicht zumindest fair die Zielsetzungsvereinbarung für ein Lebensmodell oder Ideologie auch als solche vorzustellen und diese nicht durch die „Hintertür“ eines Unterrichtsmodells zu implizieren. Ich fühle mich dabei über den Tisch gezogen! Wenn es hier um die Vermittlung eines Menschenbildes geht, dann sollte dieses auch als solches in den Diskurs eingebracht werden. Jetzt bekommen der Begriff von „Missionieren“ der in diesem Kommentarstrang im Blog schon gefallen ist ein deutlich schärfere Kontur.
Kommentiert von: www.facebook.com/profile.php?id=1844726623 | 18. Oktober 09 um 10:53 Uhr
Sorry, aber ich habe mich wohl von dem Gedanken der schnell feuernden "Neuronen“ beeinflussen lassen und habe meinen letzten Post nicht noch einmal durchgelesen. Hier jetzt die Version ohne Fehler (Das hoffe ich.)
Ich war bisher der Meinung in der Pädagogik wird sehr wohl zwischen Zielen und Methoden unterschieden. Dass beide im Bezug zueinander stehen, ist sicherlich klar, aber wäre es dann nicht zumindest fair, die Zielsetzungsvereinbarung für ein Lebensmodell oder Ideologie auch als solche vorzustellen und diese nicht durch die „Hintertür“ eines Unterrichtsmodells zu implizieren. Ich fühle mich dabei über den Tisch gezogen! Wenn es hier um die Vermittlung eines Menschenbildes geht, dann sollte dieses auch als solches in den Diskurs eingebracht werden. Jetzt bekommen der Begriff von „Missionieren“, der in diesem Kommentarstrang im Blog schon gefallen ist, eine deutlich schärfere Kontur.
Kommentiert von: www.facebook.com/profile.php?id=1844726623 | 18. Oktober 09 um 11:13 Uhr
@Robert Kathmann
Zunächst zu Ihrem Hinweis zum "Weltverbesserer ohne Güte", der mir zu denken gab: meine "Gebote" wenden sich an Studenten und Dozenten, nicht an Kinder und Jugendliche. Das ist, glaube ich, ein großer Unterschied, denn Kinder und Jugendliche müssen vor allzu offener Preisgabe von Informationen gewarnt werden, Studenten und Dozenten dagegen sollten dazu animiert werden (Wissen teilen).
"Dass beide im Bezug zueinander stehen, ist sicherlich klar, aber wäre es dann nicht zumindest fair, die Zielsetzungsvereinbarung für ein Lebensmodell oder Ideologie auch als solche vorzustellen und diese nicht durch die „Hintertür“ eines Unterrichtsmodells zu implizieren. Ich fühle mich dabei über den Tisch gezogen! Wenn es hier um die Vermittlung eines Menschenbildes geht, dann sollte dieses auch als solches in den Diskurs eingebracht werden."
- Diese Zielsetzung mache ich in allen Beiträgen und Veranstaltung von Anfang an klar. Auch in Josefstal war es der Fall.
Hier der Ablauf meines Vortrages in Josefstal:
http://jeanpol.wordpress.com/2009/09/27/josefstal-30-09-macdays/
Kommentiert von: Jean-Pol Martin | 18. Oktober 09 um 11:52 Uhr
Ich finde die Neuronenmetapher (oder deren Zielsetzung) grundsätzlich vollkommen in Ordnung. Herr Kathmann hat aber sicher recht, dass man in bestimmten Systemen damit "aneckt" oder sich gar selbst schaden kann. Das System muss dementsprechend vorbereitet und/oder angepasst werden - so wie Jean-Pol das macht. Das wird in einigen Fällen einfacher sein als in anderen.
Probleme sehe ich insbesondere dann, wenn nicht nur gesellschaftliche Konventionen sondern kulturelle Werte betroffen sind, da sich diese nur schwerlich beeinflussen lassen. Nach Hofstefe lassen sich Kulturen unter anderem anhand ihrer Machtdistanz unterscheiden, das heißt in einigen Ländern wird eher ein steiles Hierarchiegefälle akzeptiert oder sogar erwartet. Insbesondere dort dürfte die Neuronenmetapher mit ihrer Offenheit und ihrer flachen Hierarchie auf Widerstände stoßen.
Kommentiert von: Oliver Tacke | 18. Oktober 09 um 13:55 Uhr
@Oliver
Danke für die konsensbildenden worte.
Kommentiert von: Jean-Pol Martin | 18. Oktober 09 um 14:11 Uhr
@ Robert Kathmann
Ich stimme dem allem zu. Zum Stichwort "Reputation":
Seit kurzen höre ich von "Reputationsmanagement" im Zusammenhang mit persönlicher Kontrolle darüber, was im Netz über einen kursiert. Das erkennt immerhin an, daß es nicht egal ist (für den persönlichen Kontext), was im Netz steht. Und daß man es "manipulieren" kann uns sollte im eigenen Interesse. Sehr realistischer Ansatz und es erkennt die Gebundenheit der Akteure an.
Nun zur Neuronenmetapher:
Daß in hierarchischen Systemen die Neuronenmetapher mehr aneckt als in Systemen mit flachen Hierarchien kann sein. Jedoch spricht das nicht unbedingt für die Metapher. Denn flache Hierarchien werden zwar mehr von Momenten der Selbstorganisation bestimmt aber es geht eben immer auch um den Kampf um Ressourcen und Macht, also (Markt-) Konkurrenz. Und hier kommt es sehr darauf an, die eigene Reputation und damit Marktfähigkeit zu pflegen. Es ist in diesem Kontext nicht hilfreich einfach "loszuschießen". Man kann davon ausgehen, daß jede/r im Netz auch an seiner Reputation arbeitet.
Kommentiert von: Bernhard Eckmann | 18. Oktober 09 um 14:24 Uhr
Wenn ich die Neuronenmetapher halbwegs richtig begreife, ist sie auch kein Modell, das einen Anspruch auf allgemeine Tauglichkeit in jeder Situation erhebt. Vielmehr ist sie ein Sinnbild für das gewünschte Vorgehen innerhalb von LdL - und kann sicher auch auf verschiedene andere Bereiche übertragen werden.
Das Hierarchieproblem war allerdings durchaus als ein Beispiel für eine mögliche Einschränkung der Methode gedacht.
Bei der Neuronenmetapher geht es zudem um das gemeinsame Konstruieren von Wissen (ist insofern eher uneigennützig angelegt), nicht um das Erlangen eines Alleinstellungsmerkmals wie Reputation auf Märkten (eher selbstbezogen). Insofern werden in gewissen Weise unterschiedliche Wertvorstellungen berührt, wodurch es zu Zielkonflikten kommen kann.
Kommentiert von: Oliver Tacke | 18. Oktober 09 um 16:26 Uhr
@Oliver
Danke für die Klärung. Das ist genauso, wie du es hier beschreibst.
Kommentiert von: Jean-Pol Martin | 18. Oktober 09 um 19:58 Uhr
@Oliver
Ich habe in deinem Blog nachgesehen. Wirklich klug und besonnen. Danke, dass du mir hier den rücken gestärkt hast!
Kommentiert von: Jean-Pol Martin | 19. Oktober 09 um 06:08 Uhr