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3 posts from Dezember 2010

17. Dezember 10

Webman macht weiter: Fortsetzung der Jugendkampagne watch your web

Wyw_berlin_aigner_01-300px Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, gab das Startsignal zur Fortsetzung der Kampagne „watch your web“, die junge Menschen für den sicheren Umgang mit persönlichen Daten in sozialen Online-Netzwerken sensibilisiert. Im Berliner Schiller-Gymnasium ließ sich die Ministerin die neue App der Kampagne im Schüler-VZ zeigen und diskutierte mit Schülerinnen und Schülern.
Ilse Aigner ist noch im Reichstag aufgehalten worden, im Schiller-Gymnasium in Berlin-Charlottenburg hat schon die Einstimmung auf den Besuch der Ministerin begonnen. Vorab haben sich Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse Fragen überlegt. Ob man denn trotzdem fragen dürfe, was man wolle, möchte ein Mädchen wissen. Ja, man darf. Als die Ministerin dann mit geringer Verspätung ankommt legt sich die Aufregung schnell. Auch eine Ministerin ist ein Mensch wie jeder andere und diese Ministerin macht es den Schülerinnen und Schülern leicht, mit ihr ins Gespräch zu kommen.


  Kampagnenlogo Zunächst ist aber Daniel Poli, Projektkoordinator bei „Jugend online“ und damit auch Koordinator der Kampagne „watch your web“ dran. Er umreist kurz die Gründe, warum „Jugend online“ sich 2009 den thematischen Schwerpunkt Datensicherheit gewählt hat und beschreibt den bisherigen Verlauf der Kampagne. Über eine Million Jugendliche haben das Profil von Webman, dem Helden von „watch your web“, bisher im Schüler VZ, dem populärsten sozialen Netzwerk unter Jugendlichen in Deutschland, abgerufen. Eine halbe Million haben die Kampagnen-Videos bei Youtube gesehen. Und: Die Kampagne wirkt. Das hat SchülerVZ anhand einer Nutzer-Befragung analysiert. Viele Jugendliche gehen zurückhaltender mit persönlichen Informationen und mit ihren Profileinstellungen um.

Was ist neu bei der Fortsetzung der Kampagne? Daniel Poli zeigt Screenshots der neuen Kampagnen-App im SchülerVZ und einen Animationsfilm. Data Devil, der Erzfeind von Webman, hat es geschafft, sich zu vervielfachen. Mithilfe dieser Klon-Armee ist es ihm gelungen, Webman zu entführen. Nun sind die Nutzerinnen und Nutzer gefragt: Mit der neuen App können sie einen Superhelden gestalten und so ein Gegengewicht zu Data Devil schaffen. Dazu gehört auch ein Statement zum sicheren Umgang mit Daten. Umso mehr solche Superhelden gestaltet werden, desto größer ist die Chance, dass Webman befreit werden kann.
Ministerin Aigner möchte die App gerne selbst ausprobieren, eine Schülerin und ein Schüler assistieren ihr. Einen Irokesen-Schnitt soll ihr Avatar bekommen und zwar in Pink, „so wie der Sascha Lobo“. Aigner klatscht lachend in die Hände. Die gute Laune steckt an. Spätestens jetzt ist die letzte Scheu bei den Jungen und Mädchen verflogen.


Wyw_berlin_aigner_19-300px Bei der anschließenden Gesprächsrunde ist diese Offenheit zu spüren. Die Jugendlichen nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn sie kritische Fragen stellen. Ob Wikileaks-Gründer Julian Assange politisches Asyl in Deutschland bekommt, möchte ein Mädchen wissen. Was hält die Ministerin von Versuchen, das Internet zu zensieren? Aigner antwortet ruhig, sachlich, gut verständlich, manchmal auch nachdenklich. Keine Frage wird zurückgewiesen oder abgewertet. Aber es sind nicht nur politische Fragen, die die Jugendlichen umtreiben. Philippe Gröschel, Jugendschutzbeauftragter bei Schüler VZ, muss viele Fragen zu seinem Netzwerk beantworten. Wo landet eigentlich eine Beschwerde? Wer vom Team des Netzwerkes darf private Daten der Nutzerinnen und Nutzer sehen und zu welchem Zweck? Werden die Daten der Nutzerinnen und Nutzer an Dritte verkauft? Die Schülerinnen und Schüler des Schiller-Gymnasiums erweisen sich als kritische Konsumenten.
Das hat einen Grund, erklärt Schulleiter Jürgen Panteleit. Die Nutzung Neuer Medien wird immer wieder im Unterricht thematisiert. Ministerin Aigner pflichtet ihm bei. Dies sei notwendig. Jugendliche müssten die notwendigen Informationen über die Nutzung des Internets und der sozialen Netzwerke haben. Was sie letztlich mit diesen Informationen täten, sei dann letztlich ihre freie Entscheidung als Verbraucher, aber ohne die nötigen Kenntnisse ginge es nicht. Eine Haltung, auf der auch die Kampagne „watch your web“ basiert.
Mehr Informationen:
www.watchyourweb.de
www.ijab.de

14. Dezember 10

Jugend online bei der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages

IMG_1963 Am 13. Dezember 2010 veranstaltete die Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft eine öffentliche Anhörung zum Thema Medienkompetenz. Zehn Expertinnen und Experten stellten sich den Fragen der Kommissionsmitglieder, darunter Jürgen Ertelt, Projektkoordinator von „Jugend online“. Jürgen Ertelt plädierte dafür, Medienkompetenz nicht nur auf Gefahrenprävention auszurichten, sondern eine Offensive zu starten, die in allen Bereichen und Ebenen der Bevölkerung Handlungspotenziale von Internet und digitalen Medien wecke. Hier der Bericht zur öffentlichen Anhörung mit Auszügen aus den Positionen der Expertinnen und Experten.

Kinder und Eltern schulen

Medienkompetenz wird immer wichtiger, um am politischen und sozialen Leben teilnehmen zu können. In dieser Einschätzung waren sich die zu einer öffentlichen Anhörung der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ geladenen Experten einig. Um zu einem selbst bestimmten Umgang mit den neuen Medien befähigt zu werden, müssten daher Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern und Lehrer intensiv und frühzeitig geschult werden.

Erste Medienerfahrung in der Familie
In den Familien würden die zentralen ersten Erfahrungen mit Medien gemacht und die Grundlagen für die künftige Mediennutzung geschaffen, sagte Mechthild Appelhoff, von der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen. Neben den Eltern müssten aber auch Pädagogen in der Schule und der Vorschule geschult werden. „Hier gibt es zentrale Defizite“, sagte Appelhoff. Die Herausforderung der nächsten Jahre bestehe darin, die große Zahl der Multiplikatoren, „die selber nicht in der digitalen Welt groß geworden sind und sich vielfach selbst nicht kompetent fühlen zu qualifizieren“.

"Jugendliche sind oft einen Schritt voraus"
Es gebe dabei „größere Leerstellen zu füllen“ sagte auch Kathrin Demmler, Direktorin beim Institut für Medienpädagogik München. „Diskussion und Reflexion“ müsse ein Leitbild der pädagogischen Maßnahmen seien, sagte sie und verwies darauf, dass gerade bei den neueren Medien die Jugendlichen den Pädagogen oft „einen Schritt voraus sind“. Sinnvoll seien etwa „Werkstattformen“ in denen beide Seiten ihr Wissen einbringen könnten.

Lehrer müssten als „Navigator und Katalysator“ wirken und dürften nicht belehrend wirken, forderte Jürgen Ertelt, Projektkoordinator bei Jugend online. Seiner Ansicht nach dürfe das Internet nicht mehr als „virtuelle Welt im Vergleich zur realen Welt“ gesehen werden. Vielmehr müsse es als erweiterter Lebensraum verstanden werden, in dem Bildung stattfinden könne. Dazu sollten Online-Treffpunkte der Jugendlichen als Ort von Beratung und Jugendarbeit verstanden werden. Nur so könne ein „Streetwork in Digitalien“ angegangen werden.

"Zielgruppenorientierte Reflexionsanreize“ schaffen
Harald Gapski vom Grimme-Institut Gesellschaft für Medien, Bildung und Kultur warnte davor, Medienkompetenz mit Medienqualifikation gleichzusetzen. Medienkompetenz bedeute, kreative Problemlösungen bei offenen Handlungssituationen zu finden und gehe über „abfragbares Bedienungs- und Handhabungswissen“ hinaus. Auch Gapski befürwortete die Schaffung „zielgruppenorientierter Reflexionsanreize“, so dass die Jugendlichen aus sich selbst eine Medienkompetenz aufbauen könnten.

Die Kompetenz der Jugendlichen und Erwachsenen zu stärken müsse dem Weg der Regulierungen und Verbote vorgezogen werden, forderte Professor Gerd Gigerenzer, Direktor beim Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Eine neue Generation, die wisse wie es zur Sucht nach neuen Technologien komme und eine kritische Beurteilung von Informationsquellen gelernt habe, biete eine bessere Chance für den Umgang mit neuen, heute noch unbekannten Technologien, sagte er.

"Digitale Medien spielen noch zu geringe Rolle"
Digitale Medien würden in Deutschland im Bildungswesen noch eine zu geringe Rolle spielen, bemängelte Hannes Schwaderer von der Initiative D21, die sich für eine Partnerschaft von Politik und Wirtschaft in der Informationsgesellschaft engagiert. So müsste längst der PC als gewöhnliches Arbeitsmittel für das Lernen im 21. Jahrhundert anerkannt werden, sagte er. Viele andere „ressourcenarme“ Länder hätten flächendeckende Programme begonnen, die jedem Schüler einen eigenen PC als „Lernwerkzeug in geschützten Räumen“ an die Hand geben würden. In Deutschland seien hingegen weniger als ein Prozent der Schüler in einer „Notebook-Klasse“. 17 Prozent der deutschen Schüler hätten noch nie einen PC im Unterricht genutzt. „Dieser Missstand muss beseitigt werden“, forderte Schwaderer.

Auch Philippe Gröschel, Mitbegründer des sozialen Netzwerkes „Schüler VZ“ verwies auf die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung des richtigen Umgangs mit Medien. Deutschland als „Forschungs- und Innovationsland“ müsse gewährleisten, dass alle Bürger mit neuen Medien und IKT-Technologien umgehen könnten, da diese in nahezu jedem Berufsfeld wichtig seien.
Quelle: www.bundestag.de/internetenquete

01. Dezember 10

Medienzentrum PARABOL erhält renommierten Dieter Baacke-Preis für das Projekt "LEONAU.TV – Das Web-TV für st.LEOnhard & schweiNAU"

DieterBaackePreis2010_LEONAU TV_PreisverleihungAnfang-Rau-Lutz Bielefeld/Nürnberg. Im Rahmen eines Festakts in der Kunsthalle Bielefeld fand am Wochenende die Verleihung des Dieter Baacke-Preises 2010 statt. Mit dem Dieter Baacke-Preis zeichnet die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bundesweit beispielhafte Projekte aus, die in der Bildungs-, Sozial- und Kulturarbeit entstanden sind.

Das Nürnberger Medienzentrum PARABOL erhielt den mit 2.000 Euro dotierten Preis in der Kategorie „Projekte mit besonderem Netzwerkcharakter“ für das Projekt "LEONAU.TV – Das Web-TV für st. LEOnhard & schweiNAU". LEONAU.TV ist ein Partnerportal von netzcheckers.net, einer Initiative von Jugend online. Es ist eingebunden in das Stadtteilprojekt „Netzwerk FUNKtionierende Stadtteilöffentlichkeit“, eine Kooperation zwischen dem Medienzentrum PARABOL, dem Stadtteilverein St.Leonhard/Schweinau, der SOS-Jugendhilfen, dem Quartiersmanagement St. Leonhard/Schweinau und dem Amt für Wohnen und Stadtentwicklung und finanziert durch das Programm „Kooperationen – Pilotprojekte für die Stadtgesellschaft“, dass Projekte in Stadterneuerungsgebieten fördert. Im ersten Projektjahr konnten durch die gute Zusammenarbeit bereits über 50 Clips mit den zwei Jugendeinrichtungen und Schulen im Stadtteil produziert und auf www.leonau.tv präsentiert werden.

LEONAU TV_Dreh3 LEONAU.TV ist das neue Kommunikations- und Videoportal von Jugendlichen im Stadtteil St. Leonhard-Schweinau. In kurzen Videoclips zeigen Jugendliche in ihren ganz eigenen Bildern was sie beschäftigt, was sie stört und was sie gut finden. Die Möglichkeit, sich nach außen darzustellen schafft neue Kommunikationswege mit und unter den Bewohnern im Stadtteil und fördert die Identifikation mit dem Stadtteil. In der LEONAU.TV–Redaktion werden die Jugendlichen dazu angeleitet das Portal eigenverantwortlich zu pflegen und ihre eigenen Themen aus dem Stadtteil zu finden. Die mediale und personelle Betreuung erfolgt über das Projektteam im Medienzentrum Parabol. Interesse wecken, Kommunikation schaffen und den Stadtteil präsentieren, dafür steht LEONAU.TV.

Überreicht wurde der Dieter Baacke-Preis von Jurymitglied Günther Anfang (MZM/JFF, München) und dem GMK-Vorsitzenden Prof. Dr. Norbert Neuß. Klaus Lutz, Pädagogischer Leiter des Medienzentrums PARABOL, und Katharina Rau, Projektkoordinatorin von LEONAU.TV, die in Bielefeld die Auszeichnung entgegen nahmen, zeigten sich stolz, die hohe Anerkennung für Medienpädagogik in Deutschland nach Nürnberg und in den Stadtteil St.Leonhard-Schweinau zu holen.

Gefördert vom

  • BMFSFJ

Ein Projekt von

  • IJAB e.V.

Jugendportal für digitale Kultur

  • Netzcheckers

News von netzcheckers

Tagung 2009

  • Anmeldung: Das Ende der Privatheit - Fachtagung zu Strategien der Sensibilisierung von Jugendlichen im Umgang mit persönlichen Daten im Internet