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Netzkultur Zwo.Null im Fokus - Der Bericht zu den MaC*_days 2008

Dsc02305 Vom 1. bis 3. Oktober fanden in Josefstal die MaC*_days 2008 statt. Rund 30 Expertinnen und Experten aus Medienpädagogik, Jugendschutz, Medienwissenschaft und Informatik diskutierten über das Thema „Erfolgreiche Verhaltensstrategien in sozialen Netzwerken“. Der bundesweite Event für Bildungsarbeit mit digitalen Medien balancierte so auch im siebten Jahr seines Bestehens erneut zwischen Avantgarde und Mainstream und setzte dabei Impulse für medienpädagogische und bildungspolitische Praxis.

Menschen jeden Alters nutzen computergestützte soziale Netzwerke, OnlineCommunities und erweitern damit ihre Spielräume - nicht nur Jugendliche. Dabei entsteht neue soziale Realität, egal, ob der kommunikative Weg dorthin face to face, am Telefon, in SchülerVZ, Xing oder Platin-Netz gegangen wurde. Das Netz spiegelt dabei die Umwälzungen in der Lebenswirklichkeit: „Wer sich in Xing", einer Business-Online-Community profiliert, hat's nötig.“ Wenn diese Behauptung stimmt, betrifft das gerade mal 10 Millionen Menschen in dieser Kopfbörse und illustriert, wie real virtuelle Räume sind. „Virtuell ist für alle praktischen Zwecke so gut wie real.“ Diese alte Einsicht Wilhelm Flussers bestätigte sich auch in vielen Tagungsbeiträgen:
Wechselnde Medien sind „Materiallieferant“ für die Identitätsarbeit Jugendlicher, die sie selbstverständlich auch in virtuellen Räumen leisten. Es sind also Orte für Probehandeln und Basteln an einer Patchwork - Identität, unterschiedlich gestylt nach sozialer Herkunft. Diese, an der Erforschung jugendlicher Medienpraxis gewonnene These konnten die Tagungsteilnehmer über weite Strecken auch als für sich selbst stimmig erkennen. Solche Medienpraxis gewinnt mit neuen Technologien neue Qualität, geschieht anfangs oft naiv und bedarf immer wieder neuen Lernens und Wissens um Funktionsweisen, Risiken und Nebenwirkungen. Gefragt sind dann nicht „Arzt oder Apotheker“, sondern PädagogInnen, die sich als „digitale Immigranten“ auf interkulturelles Lernen für die eigene Existenz in „Digitalien“ eingelassen haben.
Die MaC*_days 2008 gaben dazu Impulse: Statt einer Zeitung morgens zehn und noch 20 Weblogs dazu lesen, das eigene Multimedia-handy als Zugangsschlüssel zur Onlinewelt, als Identitätsserver für zahllose Plattformen und Dienste, als neumodisches Tool zum traditionellen „Anbandeln“ ...
Für die Botschaft „Wir ändern uns“ in den Keynotes zur Tagung gab es mehr als genug praktische und theoretische Evidenz: Wir ändern unsere Denk-Modelle von Privatheit und Sicherheit in Netzen, die absolut nur um den Preis der völligen Abstinenz zu haben sind. Wissen und "ausreichend Paranoia" schützen pragmatisch, aber "wirklich Kontrolle über meine Daten zu behalten ist illusorisch." Zugleich wandeln sich Konzepte von schützenswerter Privatsphäre, wir freuen uns über Amazon, das uns "bessere Buchempfehlungen macht als enge Freunde" und bewegen uns online mit wechselnden Avataren und Identitäten.
Wir schützen uns in diesem Wandlungsprozess: Ein Weg, der für manche bildlich mit Nichtwahrhabenwollen des heranrollenden Lastwagen beginnt, dann aber mit eigenen Lernschritten weitergeht und für TeilnehmerInnen der MaC*days in die glaubhaft und praktisch gewordene Perspektive mündet, die sich entfaltende Netzkultur selbst mitgestalten zu können. Aus einer unüberschaubar wachsenden Vernetzung bricht vor unseren Augen Neues hervor, emergent, unaufhaltsam, aber beeinflussbar, wenn wir uns der Herausforderung stellen, als Bürger wie als PädagogInnen.
Zum Verständnis des Bürgerrechts auf Gewährleistung der Sicherheit und Vertraulichkeit der eigenen Daten, in Netzwerken und am heimischen PC kann die Gestaltung eigener Jugendcommunities handfestes Übungsmaterial bieten: als Netzcheckers-Partnerportal etwa, in dem Beteiligung, Gestaltung und Verantwortung mit allem spielerischen Ernst erlebbar werden. Oder bei der "Online-Jagd auf Anja Hübsch", die ihr leichtsinniges Verhalten in SchülerVZ zur schnellen Beute für Jugendliche macht, die das Wort "informationelle Selbstbestimmung" nicht schreiben könnten. Angeleitet wurde solches Lernen von einer PädagogIn, die sich für "aufsuchende Sozialarbeit in virtuellen Räumen" qualifiziert. Und als Bloggerin die MaC*days 2008 begleitet hat.
Die MaC*_days 2009 finden vom 30. September bis 2. Oktober statt.


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